Einen guten Freund sehe ich manchmal einen Monat nicht.
Wenn wir uns dann treffen, ist nach zehn Minuten eigentlich alles normal.
Was mich mehr nervt, ist der Weg dahin: „Wie sieht nächste Woche aus?“ – „Schlecht, die danach?“ – „Da bin ich weg.“
Irgendwann steht ein Bier am Donnerstag in drei Wochen im Kalender.
Funktioniert. Fühlt sich nur manchmal ein bisschen absurd an.
Ich fand es früher irgendwie traurig, Freunde drei Wochen im Voraus in den Kalender einzutragen. Inzwischen sehe ich auch die andere Seite: Zwischen Arbeit, Partner, Sport und anderen Verpflichtungen wird genau diese Zeit bewusst freigehalten. Spontanität ist schön. Ein reservierter Samstag kann ebenfalls ziemlich viel Wertschätzung sein.
Sechs Leute wollen essen gehen.
Montag kann A nicht.
Dienstag B.
Mittwoch C.
Donnerstag D.
Freitag E.
Vielleicht ist das Problem irgendwann nicht mehr der Kalender, sondern die Idee, dass immer alle dabei sein müssen.
Volle Kalender erklären, warum Treffen schwierig zu organisieren sind. Sie erklären weniger gut, warum immer dieselbe Person die drei Terminvorschläge schicken muss. Freundschaft darf Planung brauchen. Die Initiative sollte nur nicht dauerhaft auf einer Seite wohnen.
Ein Treffen sechs Wochen vorher einzutragen ist eigentlich kein Problem.
Merkwürdig wird es erst, wenn der Termin sechs Wochen im Kalender steht und zwei Tage vorher trotzdem die Frage kommt, ob man ihn nicht noch einmal verschieben könnte.
Planung hilft nur, wenn der Termin am Ende auch einer ist.
„Wir müssen echt mal wieder was machen.“
„Ja unbedingt.“
„Wann kannst du?“
„Also diese Woche gar nicht, nächste bin ich weg, danach eventuell Mittwoch.“
erwachsen sein ist organisatorisch wirklich unnötig kompliziert.
Ich finde gar nicht schlimm, dass Freunde irgendwann im Kalender stehen.
Eigentlich bedeutet es ja auch: Wir haben beide genug anderes im Leben und nehmen uns trotzdem bewusst Zeit füreinander.
Komisch wird es für mich erst, wenn man dreimal verschiebt und beim vierten Mal wieder sagt: „Wir müssen unbedingt mal.“
Irgendwann ist ein voller Kalender vielleicht nicht mehr das Problem, sondern die Priorität.
Ich versuche inzwischen nicht mehr für jedes Treffen einen komplett freien Abend zu finden.
Eine Stunde Kaffee nach der Arbeit oder eine gemeinsame Runde zu Fuß ist manchmal realistischer als drei Wochen lang nach dem perfekten Samstag zu suchen.
Freundschaft braucht nicht jedes Mal ein Abendprogramm.
„Jeden ersten Donnerstag im Monat“ klingt für Freundschaft erst mal erstaunlich offiziell.
Praktisch hat es einen großen Vorteil: Niemand muss alle vier Wochen wieder sechs Nachrichten schreiben, um herauszufinden, wann alle können.
Manchmal macht ein bisschen Routine spontane Gespräche überhaupt erst möglich.
Wenn ich einen Freund erst in drei Wochen sehe, muss dazwischen nicht komplette Funkstille sein. Ein Foto vom absurden Mittagessen, eine kurze Nachricht oder „Wie lief dein Termin?“ reichen manchmal, damit man beim nächsten Treffen nicht erst die letzten zwei Monate zusammenfassen muss.
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